Vogelgrippe
Wie Ihr es wahrscheinlich schon gehört habt, ist in Ägypten die für den Menschen gefährliche Varinante H5N1 der Vogelgrippe ausgebrochen. Gestern Abend hieß es im Fernsehen, dass es bisher 90 Fälle gibt, dass aber noch kein Mensch infiziert wurde.
Die Ägypter haben sehr viel Angst davor, dass das Virus zu einer Variante mutiert, die von Mensch zu Mensch sich weiterverbreitet. Denn während über neunzig Prozent des Territoriums unbewohnte Wüste ist, leben wiederum mehr als neunzig Prozent der Bevölerkung im Niltal und im Nildelta - dicht an dicht. Und die hygienischen Bedingungen in diesem Land sind alles andere als optimal. Mir hat eine Kommilitonin erzählt, die Weltgesundheitsorganisation gehe im Fall einer Pandemie in Ägypten davon aus, dass 70 Prozent der Menschen erkranken. Allerdings habe ich diese Information nicht im Internet bestätigen können.
Seit ein oder zwei Tagen gelten hohe Geldstrafen für Leute, die Geflügel verstecken. In den Straßen habe ich mehrfach Müllabfuhren gesehen, die komplett mit leeren Hühnerställen gefüllt waren. Auf den offenen Wagen fuhren Arbeiter mit. Sie saßen zwischen den Ställen, ohne jeden Atemschutz oder Handschuhe.
In den Gebieten, in denen der Virus entdeckt wurde, wird das Geflüge gekeult. Auch in Gizeh, wo ich wohne, gibt es Infektionsfälle. Der Zoo wurde geschlossen, nachdem in einigen von 83 toten Vögeln das Virus entdeckt wurde. Auch der nervige Wellensittich meiner Nachbarn ist verschwunden. So sehr ich dieses Tier verabscheue, hoffe ich doch, dass die Halter es nur vom Balkon in die Wohnung geholt haben, um es zu schützen.
In den letzten Tagen habe ich nur ein Huhn gesehen. Tot. Es wurde auf einem kleinen Park eingesammelt und direkt neben eine stark besuchte Minibus-Station auf die Straße geworfen. In dem Supermarkt in der Nähe meiner Wohnung kann ich kein Huhn mehr bekommen und in dem jemenitischen Restaurant zwei Straßen weiter kein Kabsa mit Huhn.
Nachtrag
Falls das Virus aber einen Aufenthalt im Nil überlebt, bekomme ich wirklich Angst.