Videobotschaft: Islamisten drohen Deutschen und Österreichern
Im Internet ist ein islamistisches Video aufgetaucht, das sich an die Regierungen Deutschlands und Österreichs wendet. Es fordert den Abzug aus Afghanistan. Andernfalls drohten „Operationen“ gegen deutsche Konzerne und den österreichischen Tourismus.
„Eine Botschaft an die Regierungen Deutschlands und Österreichs“ steht auf Arabisch auf dem virtuellen Pergament, das auch die Flaggen der beiden Staaten zeigt. Drumherum lodern animierte Flammen. Eine tiefe Männerstimme trägt den Text vor. Und damit die Adressaten die Nachricht auch verstehen, ist ein deutscher Untertitel zugefügt.
Die nächste Einstellung zeigt ein Nachrichtenstudio, wie man es bei allen Fernsehsendern der Welt findet. Der Sprecher sitzt an einem geschwungenen Pult, hinter ihm steht einen hellblaue Wand.
Doch sein Gesicht ist mit einer schwarzen Strumpfmaske vermummt. Denn es handelt sich um keinen Nachrichtensender, sondern um den Kanal „Stimme des Kalifats“. Deutsch untertitelt wurde das Video von der „Globalen Islamischen Medienfront“. Diese ist laut baden-württembergischen Verfassungsschutz das führende deutschsprachige Angebot für direkte Informationen aus dem Umfeld der al-Qaida und stellt Propaganda-Videos von Anschlägen und Hinrichtungen aus dem Irak zum Download bereit.
Mit einer neutralen Stimme, wie sie bei Nachrichten-Moderatoren üblich ist, fragt der Sprecher auf Hocharabisch, warum Deutschland „Bush und seine Bande“ unterstütze. Dann wirft er der Bundesregierung vor, die Deutschen über die Natur des Afghanistan-Einsatz belogen zu haben. Dieser sei nicht für den Wiederaufbau und die Sicherheit des Landes gedacht. Die ganze Welt habe dies als Lüge erkannt, als bekannt wurde, dass deutsche Soldaten in Afghanistan Totenschädel geschändet hatten.
Damit auch jeder weiß, wer die Lügner sind, werden im Hintergrund Portraits vonBundeskanzlerin Angela Merkel und ihrem gesamten Kabinett gezeigt, vor einer wehenden deutschen Flagge.
Dann fragt der Sprecher subtil: „Ist es nicht dumm, dass ihr eure wirtschaftlichen Interessen, die weltweit verbreitet sind, gefährdet?“ Währenddessen zeigt das Video die Markenzeichen von VW, BMW, Mercedes und Adidas sowie ein Telekom-Handheld. „Ist es nicht dumm“, geht die Drohung dann unverholen weiter, „dass ihr die Mujahidin motiviert, Operationen in euer Land zu führen. Mit eurem Beistand und eurer grenzenlosen Unterstützung habt ihr die, die ihr Terroristen nennt, motiviert, euer Land anzugreifen und somit zerstört ihr eure Sicherheit mit euren eigenen Händen.“
Die Botschaft ist klar: Mögliche Ziele für Anschläge sind deutsche Konzerne im Ausland, aber auch Ziele im Inland.
Darüber hinaus wird der Taliban-Führer Mullah Dadullah zitiert, der Ende Februar ankündigte, die Operationen der Taliban auf den Norden Afghanistans auszuweiten. Dort sind die Bundeswehrsoldaten stationiert.
Auch Aiman al-Zawahiri wird in dem Film gezeigt. In einem Ausschnitt aus einem älteren Video erklärt die Nummer Zwei der al-Qaida, dass jemand, der Muslime angreife, attackiert und getötet werde.
Der Teil des Videos, der sich an die Deutschen richtet, endet mit dem Ratschlag, die Soldaten aus Afghanistan abzuziehen und „die Unterstützung für Bush und seine Leute“ zurückzuziehen.
Der zweite Abschnitt wendet sich an die österreichische Regierung. Zwar stellten die wenigen Soldaten, die die Alpenrepublik am Hindukusch stationiert hat, für die Mujahidin keine „wirkliche Bedrohung“ dar. Dennoch solle die Regierung sie abziehen. Ansonsten werde der Tourismus, der wichtigsten Pfeiler der „rosigen“ österreichischen Wirtschaft, angegriffen.
Dann appelliert der Sprecher: „Zerstört nicht die Sicherheit eines ganzen Landes wegen fünf Soldaten, die ihr nach Afghanistan geschickt habt.“ Danach wird wieder gedroht: „Wir möchten euch erinnern, dass eure Soldaten ganz in der Nähe der Mujahidin sind. Sie sind ihnen näher als andere Soldaten und die Mujahidin bereiten sich vor auf ihren Frühlingsangriff, wegen dem die ganze Welt zittert.“ Der Krieg sei nicht der Krieg der Österreicher und diese könnten ihn auch nicht ertragen.
Dann beweisen die Macher des Videos, dass sie auch in der Innenpolitik der Alpenrepublik auskennen. Sie empfehlen der Regierung Gusenbauer, das Geld, das man bei einem Abzug aus Afghanistan spare, den Studenten zu geben, denen gegenüber man Versprechen gebrochen habe. Damit wird darauf angespielt, dass die Sozialdemokraten im Wahlkampf noch angekündigt hatten, die Studiengebühren abzuschaffen, dies dann aber nicht taten.
In Nordafghanistan sind derzeit rund 2900 deutsche Soldaten stationiert. Außerdem beschloss der Bundestag am Freitag, sechs Tornado-Kampfflugzeuge zu entsenden, die den Luftraum im Süden des Landes überwachen sollen.
Österreich hat die meisten Soldaten Ende 2005 aus dem Land am Hindukusch abgezogen. Nur noch ein paar Stabsoffiziere sind dort im Einsatz.
Marius Meyer