Verdächtiger Dozent, gefährliche Studenten?
Die Polizei kassiert im Rahmen einer Razzia Uni-Seminarlisten. Stehen nun alle Teilnehmer unter Terrorverdacht?
Der Morgen des 9. Mai in Hamburg, Berlin und anderen norddeutschen Bundesländern: 900 Beamte des Bundeskriminalamtes, der Landeskriminalämter und der verschiedenen Länderpolizeien führen Razzien in 40 Wohnungen und Büros durch. Koordiniert wird der Einsatz von 20 Staatsanwälten der Bundesanwaltschaft. Die Durchsuchungsbeschlüsse sind mit dem Paragraphen 129a des Strafgesetzbuches begründet: "Bildung einer terroristischen Vereinigung“.
Bei Fritz S. klingeln die Fahnder gegen 8 Uhr. Sie behandeln den 68-Jährigen erkennungsdienstlich und beschlagnahmen mögliches Beweismaterial.
Der Focus bezeichnet S., der an der Universität Bremen als Lehrbeauftragter für das Fach Philosophie tätig ist, später als Schlüsselfigur der linken Szene in Hamburg und Berlin. Laut dem Magazin würden die Ermittlungsbehörden vermuten, dass er direkt mit der Planung von drei Brandanschlägen auf Häuser und Autos von Hamburger Industriellen zu tun gehabt habe. S., Mitglied des wissenschaftlichen Beirates des globalisierungskritischen Netzwerkes Attac, bestreitet die Vorwürfe.
Bei der Wohnungsdurchsuchung werden auch Listen der Studenten, die in den vergangenen Jahren die Seminare des Verdächtigen besuchten, mitgenommen. Im laufenden Semester behandelt S. einmal pro Woche mit Philosophiestudenten das Thema "Neue Technologien, Menschenbild und Ethik vor dem Hintergrund der Liberalisierungs- und Globalisierungsoffensive“.