Schafhirte
Ein kleiner Junge treibt eine Herde Schafe in die Stadt.
Als er uns in unserem Taxi sieht, fängt er an neben dem fahrenden Auto herzulaufen, um uns um ein bisschen "Bakschisch", ein bisschen Geld, anzubetteln.
Der Bitte nach Bakschisch begnet man in Ägypten dauernd - und nicht selten ist es eher eine Forderung. Man zahlt meist Summen zwischen 0,25 und zwei Pfund für kleine Gefälligkeiten wie beim Ausparken behilflich sein oder für die Benutzung des WCs (bezahl ich nur, wenn das Stille Örtchen einwandfrei ist). Ich habe es aber in auch schon erlebt, dass Leute aus dem vorbeifahrenden Auto den Touristen "Bakschisch!" zurufen. Auf die irritierte Frage meines Vaters, warum wir in dem Fall zahlen sollen, konnte ich nur antworten, dass viele die Touristen für komplett doof halten müssen.
Aber zurück zum Bild: Der Hirte treibt die Tiere nach Kairo hinein, wo sie vorgestern (10. Januar) Morgen geschlachtet worden sein dürften. Denn es war "Eid al-Adha", das Opferfest. Mit diesem Fest wird daran gedacht, dass Ibrahim bereit war, seinen Sohn Ismael Gott zu opfern - und dass dieser statt des Menschenopfers ein Lamm nahm.
Das Opferfest findet an dem Tag statt, wenn in Mekka der Hadsch, die Pilgerfahrt, mit der symbolischen Steinigung des Teufels zum Höhepunkt kommt. Von dem Fleisch der Tiere behalten die Menschen nur wenig für sich selbst, der Rest wird für Bedürftige gespendet. Ich habe die Schächtungen selbst nicht gesehen, aber später Blutlachen vor einigen Garagen und Eselskarren, mit denen die Felle zur Weiterverarbeitung ins Gerberviertel gebracht wurden.