Kairos Taxis am Ende?
Schwarz-Weiß sind sie, Lizenzbauten von Fiat- oder Renault-Modellen und altersschwach: Die typischen Taxis bestimmen Kairos Straßenbild. Doch damit soll jetzt Schluss sein.
Wie Thomas Avenarius, Korrespondent der Süddeutschen Zeitung in Kairo vor einigen Tagen berichtete, sollen die Gefährte ausgetauscht werden. In Zukunft sollen statt der schwarz-weißen Schrotthaufen "Yellow Cabs" der Marken VW und Hyundai die Kairoer und vor allem die zahlenden Touristen befördern.
Für mich sind die bisherigen Taxis ein Highlight Kairos. Auf ein kurzes Winken hin halten mindestens drei Fahrer an, die hoffen, dass der Westeuropäer oder Nordamerikaner da am Straßenrand ihnen für eine Kurzstrecke einen Wochenlohn zahlt. Deshalb sollte man ein paar Regeln für die Taxifahrt beachten.
Erstens: Durch das geöffnete Fenster oder die Tür von außen Fragen, ob der Fahrer dich in das gewünschte Stadtviertel bringt. Falls es sich um eine kurze Strecke handelt, der Fahrer aber dennoch "How much?!" fragt: nicht einsteigen.
Zweitens: Falls es sich um eine längere Strecke handelt, kann man den Preis vorher aushandeln. Taxi-Fahren ist unheimlich günstig. Von Dokki zum Flughafen kann man für 30 Ägyptische Pfund kommen. Und das ist eine weite Strecke. Allerdings meine ich, dass man das Verhandeln nicht übertreiben sollte. Touristen können ruhig ein bisschen mehr bezahlen. Die ägyptische Oberklasse gibt auch mehr als normal. Am Ende meines Aufenthaltes hatte ich immer häufiger den Fall, dass Fahrer, die ich auf Arabisch angesprochen hatte, nicht den Preis vorher verhandeln wollten sondern sagten: "Du bezahlst hinterher was du willst." Das ist die normale und wohl auch beste Art. Es gibt zwar Taxameter, die Dinger funktionieren aber nie. Einfach als exotisches Ausstellungsstück betrachten.
Drittens: Die Türen nicht knallen. Da sind die Fahrer sehr empfindlich. Zu recht. Bei einer Fahrt, als wir uns gerade auf der "6. Oktober"-Brücke befanden, sackte die Tür weg und hing nur noch an einer Angel. Ein mieses Gefühl, denn
viertens sollte man sich nicht anschnallen. Zum einen sind die Gurte eh nicht zu gebrauchen und außerdem sehen viele Fahrer es als Beleidigung gegen ihre Fahrkunst an. Es scheint zwar eine Anschnallpflicht zu geben, aber da hält sich niemand dran - Gesetz-Papyrus ist geduldig. Einmal schnallte sich mein Fahrer an, als wir zu einer Polizeikontrolle kamen. Er hielt mich aber davon ab, es ihm gleich zu tun. Ich müsse das nicht. Die Polizei hat sich für mich nicht interessiert.
Fuenftens: Unterhaltung. Ich habe mich gerne mit den Fahrern unterhalten. Die meisten Fahrer lassen einen aber auch in Ruhe, wenn man sich nicht unterhalten will. Anstrengen wird es, wenn du einen Taxifahrer erwischt, der von dir Hilfe beim Erwerb einer Aufenthaltsberechtigung für Deutschland haben will.
Sechstens: Den Weg kennen. Wenn irgend möglich, solltest du den Weg zu der Stelle kennen, zu der du willst. Die Taxifahrer können sich nicht in allen Stadtvierteln auskennen. Also einen Platz oder eine große Straße angeben und dann dem Taxifahrer sagen, wie er weiter fahren soll. Weißt du den Weg nicht, wird der Taxifahrer Kollegen danach fragen, oft während der Fahrt.
Siebtens: Bezahlung. Wenn du am Ziel bist, steigst du aus und bezahlst durch das offene Fenster. Du solltest versuchen, das Geld passend zu geben. Wenn du es nicht passen hast, winskt du mit dem Geld das du hast und sagst dem Fahrer wieviel du zurück willst. Wenn er dir das Wechselgeld gibt, überreichst du ihm dein Geld. Bei der Bezahlung zetteln die Fahrer oft Streit an und verlangen zu viel Geld. Hart bleiben. Notfalls eine angemessene Summe in Auto schmeißen, umdrehen und gehen.
Wenn die Regierung ihre Pläne umsetzt, wird das Taxifahren in Kairo bald kein Abenteuer mehr sein. Die Taxis werden dann nur noch von bestimmten Plätzen starten, alle paar Jahre ausgetauscht und funktionierende Taxameter haben. Selbst mit der Kreditkarte soll man zahlen können.
Freunde von mir haben bereits die ersten Yellow Cabs gesehen. Dennoch denke ich, dass es sich verhalten wird wie mit der Reinigung Kairos. Vor einigen Jahren soll ein Minister sich sehr dahinter geklemmt haben, dass die Stadt gereinigt wird. Eine Zeit lang war sie sauber. Dann kam ein neuer Minister, den das nicht interessierte. Heute ist Kairo saudreckig. Ich denke, mit dem Projekt "Yellow Cabs" wird es ähnlich laufen - und ich hoffe es auch.