Al-Askari-Schrein in Samarra zerstört
Attentat im Irak schürt Angst vor Bürgerkrieg.
Der Al-Askari-Schrein in Samarra السامراء ist heute durch einen Sprengstoffanschlag zerstört worden. Patrick Leclercq, Fernsehkorrespondent der ARD in Kairo, beschreibt, dass nur "Mauerreste" geblieben sind. Laut Wikipedia ist zumindest die goldene Kuppel eingestürtzt. Die Taten werden al-Qaida und Ansar al-Sunna angelastet. Das Bild ist eine Aufnahme des Gebäudes von GoogleEarth. Ein gutes Bild von der Zerstörung gibt es im arabischen Angebot der BBC.
Der Schrein ist nach Imam al-Hasan ibn Ali al-Askari الإمام الحسن بن علي العسكري benannt, der für die Zwölferschiiten der elfte Imam, das elfte Oberhaupt war. Er war direkter Nachfahre des Propheten Muhammads und liegt zusammen mit zwei weiblichen Muhammad-Nachkommen in dem Schrein beerdigt. Schiiten glauben, dass Muhammads Charisma über Ali an seine Nachkommen weitergeben wurde. Der Bau wird auch als "Goldene Moschee" bezeichnet.
Nach dem Bombenanschlag brach in Bagdad ein Aufstand aus, sunnitische Moscheen wurden angegriffen, ein sunnitischer Geistlicher wurde erschossen. Auch bei Zusammenstößen kamen Menschen ums Leben.
Ein Freund aus Deutschland hat mich gerade gefragt, ob wir von diesen Unruhen etwas mitbekommen. Antwort: Nein, und es ist auch nicht zu erwarten. Die Situation ist eine ganz andere. In Ägypten gibt es kaum Schiiten. Das CIA-Factbook führt für Ägypten 94 Prozent Sunniten auf, während Kopten und andere subsummiert werden. Und koptische Christen dürften die größte religiöse Minderheit sein. Das Spiegel-Jahrbuch zählt 90 Prozent Sunniten und neun Prozent Kopten. Bleibt für die Schiiten nicht viel. Im Irak stellen sie dagegen mit 60 bis 70 Prozeent die Mehrheit, die über Jahrhunderte von der sunnitischen Mehrheit beherrscht wurde, jetzt das erste Mal die Chance hat, die Macht im Land zu erhalten.
Die sunnitischen Araber im Irak dagegen fürchten um ihren politischen Einfluss. In einem föderalen Staat mit schwacher Zentralregierung hätten sie auch das Problem, dass der Großteil des Ölreichtums des Landes unter schiitischen und kurdischem Gebiet liegt. Der Widerstand gegen die Besatzer ist im sunnitischen Dreieck am größten. Al-Qaida und Ansar al-Sunna sind sunnitische Gruppen.